Pastoralkonzept

1. Anlass für das Konzept

Die Situation unserer katholischen Landgemeinden verändert sich dramatisch. Deutlich wird dies durch den demographischen Wandel (Rückgang der Katholikenzahlen durch den Geburtenrückgang und den beruflich bedingten Wegzug vor allem junger Menschen), die schwindende Akzeptanz der Kirche in der Gesellschaft sowie die zurückgehende Identifikation mit der Institution Kirche und der Kirchengemeinde vor Ort. Dazu kommt der Mangel an Priestern und pastoralem Personal, der Rückgang der Kirchenbesucherzahlen und die zunehmend schwierigere finanzielle Situation der Gemeinden. Die Erwartungen an die Kirche werden differenzierter. Zudem haben sich die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verändert.

Die Zeichen der Zeit deutend und dem Wunsch unseres Erzbischofs Hans-Josef Becker entsprechend, gibt sich der Pastoralverbund Borgentreicher Land als verbindliche Grundlage für seine zukünftige Arbeit das folgende Pastoralkonzept.

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2. Grundauftrag

Der Grundauftrag unseres Herrn Jesus Christus an seine Kirche lautet, das Evangelium den Menschen nahe zu bringen. Wir entsprechen diesem missionarischer Auftrag, wenn wir den Glauben in den uns anvertrauten Menschen wecken, Gemeinde aufbauen und entwickeln.

Bei unseren Überlegungen orientieren wir uns an den in der Perspektive 2014 durch unseren Erzbischof Hans-Josef Becker vorgegebenen drei pastoralen Zielfeldern:

  • Aus dem Glauben an den dreifaltigen Gott leben und diesen Glauben neu ins Gespräch bringen.
  • Die Zuwendung des mensch gewordenen Gottes durch alle Phasen des menschlichen Lebens bezeugen.
  • Als missionarische Kirche mit Gottes Geist die Welt mitgestalten.
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3. Bestandsaufnahme und Rahmenbedingungen

Im Laufe einer mehr als dreijährigen Beratung und Diskussion in vier Pfarrgemeinderatsklausuren, im Koordinierungskreis, in den Pfarrgemeinderäten und im Pastoralteam sind folgende Analyseergebnisse deutlich geworden:

Die Pfarreien St. Johannes Bapt. Borgentreich mit der überregional frequentierten Lourdesgrotte, St. Marien Borgholz mit der Klus Eddessen, St. Vitus Bühne mit der Kirche St. Sturmius in Muddenhagen, St. Peter und Paul Großeneder, St. Blasius Körbecke, St. Michael Lütgeneder, St. Nikolaus Natzungen und St. Mauritius Rösebeck sowie St. Johannes Nep. Manrode und St. Meinolf Natingen entfalten einen großen Reichtum an Initiativen, Verbänden, Gruppen, Gremien: Kirchenvorstände, Pfarrgemeinderäte, kfd, Schützenbruderschaften, BdSJ (Jungschützen), Kolping, Caritaskonferenzen, Katholische Landjugendbewegung (KLJB), Pfarrjugend, Messdiener, Kommunionhelfer, Lektoren, KÖB (Kath. Öffentliche Bücherei), Seniorengruppen, Krabbelgruppen, Liturgiekreise, Wortgottesdienstleiter, Kirchenchöre, Musikgruppen.

Es besteht eine rege Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Borgentreich: Kinderbibeltage, ökumenische Gottesdienste (Schulgottesdienste, Wichtelgottesdienste, Weltgebetstage der Frauen, u. a. mehr), Bibelabende, Gemeindeausflüge.

Alle Gemeinden besitzen durch ihre Kirchen und Pfarrheime, die in den vergangenen Jahren in einen guten Zustand versetzt wurden, eine gute Infrastruktur.

Es besteht vor Ort eine positive Grundstimmung gegenüber der Kirche, das Gemeindeleben funktioniert, den Mitarbeitern des Pastoralteams wird ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht. Die Kirche gehört ins Dorf und will nicht vermisst werden. Die Kirchengemeinde ist eine Hilfe für Einzelne und unterstützt das Leben der Dorfgemeinschaft.

In allen Gemeinden existiert ein Potential an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in die Gemeindearbeit einbringen und sie gestalten.

Problematisch für die Dörfer und Städte des Pastoralverbundes ist die sich verschärfende demographische Entwicklung: Bevölkerungsrückgang, Überalterung, Leerstände (Häuser, Wohnungen), die Schließung von Schulen und Kindergärten. Die Prognose über die Entwicklung der Einwohnerzahlen für das Gebiet der Stadt Borgentreich, deren Fläche mit dem Pastoralverbund Borgentreicher Land identisch ist, sieht einen Rückgang von 8,9 % bis zum Jahre 2025. Eine überdurchschnittlich hohe Abwanderung junger Menschen wird schon jetzt deutlich.

Die Zahl der derzeit vier hauptamtlichen Seelsorger wird sich verringern. Es ist zu erwarten, daß nach der Pensionierung von Pfarrer Dr. Freier in Bühne im Frühjahr 2010 kein Ersatz kommen wird. Die Position der Gemeindereferentin kann aufgrund mangelnder Bewerbungen z.Zt. nicht besetzt werden. In absehbarer Zeit wird sich das Personal auf zwei Priester und eine Gemeindereferentin – soweit vorhanden - reduzieren. Dazu kommt ein ständiger Diakon.*

* Seit dem 1. August 2009 ist Frau Michaela Schelte als Gemeindeassistentin (Gemeindereferentin in der Berufseinführungsphase) in unserem Pastoralverbund tätig. Der derzeitige Pfarrverwalter von Bühne, Pfarrer Dr. Konrad Freier, tritt zum 30. Juni 2010 in den Ruhestand. Pfarrer Werner Lütkefend wurde inzwischen als Leitender Pfarrer des Pastoralverbundes mit Wirkung vom 1. Juli 2010 zusätzlich zum Pfarrverwalter der Pfarrei St. Vitus Bühne ernannt. Nach Aussage von Monsignore Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal, soll wieder ein Priester mit Wohnsitz in Bühne eingesetzt werden, der für den Pastoralverbund beauftragt werden soll. (Stand: 25.02.2010)

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4. Visionen und Strategien

Mit diesen Rahmenbedingungen wollen wir lebendige und eigenständige Gemeinden in den Kleinstädten und Dörfern unseres Pastoralverbundes. Die Kirche soll im Dorf präsent bleiben und sich nicht aus der Fläche zurückziehen.

Ausgehend von den Grundvollzügen der Kirche und der Zielfindung im Prozess der Konzeptentwicklung werden folgende Ziele von der Vision abgeleitet:

  • Der Glaube an Jesus Christus soll in jeder Gemeinde lebendig sein.
  • Die Menschen sollen den Glauben erleben können.
  • Der Glaube an Jesus Christus soll Gestalt finden im missionarischen Tun.
  • Die Gemeinden sollen ein Stück Heimat sein.
  • Im Pastoralverbund soll es eine offene Zusammenarbeit unterschiedlicher Gemeinden geben.

Um diese Vision und Ziele zu verwirklichen, müssen folgende Strategien und Schritte gegangen werden:

Es muß sich das Bewusstsein entwickeln, das Gemeinden nicht wie bisher mit-sorgend sind, sondern zunehmend selbst-sorgend werden. Das bedeutet, dass die hauptamtlichen Seelsorger (Priester, Diakone, Gemeindereferentinnen), die als Team zusammenarbeiten, diesen Prozess aktiv unterstützen.

Selbstsorgende Gemeinden im Pastoralverbund Borgentreicher Land bedeutet konkret:

Alle Gemeinden behalten wie bisher ihre Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte. Die gewählten Gremien tragen in ihren je eigenen Aufgabenbereichen Verantwortung für die Gemeinde.

  • Die Verbände und Gruppen bleiben unverändert bestehen.
  • Initiativen und Projekte werden nach Bedarf und Anlass ergriffen angegangen.
  • In jeder Gemeinde soll es beauftragte Ansprechpartner für die kirchlichen Belange geben.

Zukünftige Herausforderungen sind:

  • Die Sorge um Notleidende und Kranke (Diakonie).
  • Sorge zu tragen, dass sich in den Kirchen vor Ort, Gemeinde versammelt zu Gebet und Eucharistie in vielfältigen bewährten und zeitgemäßen Formen. Das bedeutet auch, dass Laien weiterhin gesucht, ausgebildet, beauftragt und begleitet werden, auch am Sonntag Wortgottesfeiern durchzuführen. Es wird zukünftig noch zu klären sein, wie dörfliche, gemeindliche Traditionen (Prozessionen, Bittprozession, Patronatsfeste, etc).in Zukunft begangen und weiterentwickelt werden können.
  • Wir bauen weiter darauf, dass die Sakramentenkatechese durch die Menschen in der Gemeinde mitgetragen wird.

Das bedeutet für die hauptamtlichen Seelsorger:

  • Entlastung und Abgabe von Verwaltungs- und Organisationsaufgaben (an Fachpersonal), besonders für den Leiter des Pastoralverbundes.
  • Begleitung, Unterstützung, Qualifizierung und Weckung der Charismen der Ehrenamtlichen in der Gemeinde.

Dafür bietet der Pastoralverbund den selbstsorgenden Gemeinden:

  • Unterstützung und Begleitung durch das Pastoralteam
  • Koordination durch die Hauptamtlichen in Absprache mit den Pfarrgemeinderäten
  • Vernetzung untereinander, Austausch, regelmäßiger Erfahrungsaustausch und nachbarschaftliche Unterstützung
  • Verbände, Jugendarbeit, etc. tragen gemeinsame Aktivitäten, helfen sich gegenseitig
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5. Maßnahmen und Projekte

Der Aufbau selbstsorgender Gemeinden im Pastoralverbund Borgentreicher Land wird durch folgende Maßnahmen und Projekte unterstützt:

  • Aufbau und Gestaltung des Pastoralverbundsrates
  • Abstimmung und Entwicklung der Sakramentenkatechese
  • Gottesdienstplanung
  • Ausbildung von Wortgottesdienstleitern durch das Dekanat
  • Begleitung der Wortgottesdienstleiter im Pastoralverbund, evtl. in Kooperation mit dem Nachbarpastoralverbund Willebadessen-Peckelsheim
  • Gemeinsame jährliche PGR-Wochenenden seit 2006 und sich daraus ergebende Konsequenzen
  • Jährliches Treffen der Pfarrgemeinderäte am Dinkelburger Kreuz am Fest Kreuzerhöhung
  • Gemeinsame Projekte im Pastoralverbund: wie die Gründungsfeier des Pastoralverbundes in Borgentreich im Jahre 2006, die Jugendkirche in Manrode im Jahre 2008 und das „Lust-auf-Leben-Festival“ in Borgholz im Jahre 2009
  • Ökumene mit der Evangelischen Kirchengemeinde Borgentreich (vergl. Punkt 3)
  • Fortschreibung und Überprüfung des Konzeptes durch den Pastoralverbundsrat
  • Logo des Pastoralverbundes
  • Entwicklung eines Internetauftritts im Jahre 2009
  • Aktivitäten und Angebote zur Vertiefung des Glaubens, wie z. B. spiritueller Tag für die Ehrenamtlichen
  • Unterstützung und geistliche Begleitung der Verbände, Gruppen und Gremien (vergl. Punkt 3)
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6. Schlusswort

Dieses Konzept bildet eine Grundlage für die pastorale Zusammenarbeit der Gemeinden im Pastoralverbund Borgentreicher Land, die regelmäßig fortgeschrieben wird. Im Rahmen der „Überplanung 2030“ wird die Zusammenarbeit mit dem Pastoralverbund Willebadessen-Peckelsheim in kleinen Schritten verwirklicht.

Ausgehend vom Logo unseres Pastoralverbundes, das Jesus Christus im Zeichen des Kreuzes und unsere Gemeinden als Ähre mit zehn Weizenkörnern darstellt, bekennen wir Jesus Christus als unsere Mitte. Er ist das Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird und reiche Frucht bringt. Diese reiche Frucht erhoffen wir für die Menschen in unseren Gemeinden.

Dassel/Solling, den 28. März 2009